Datum: 21.05.2018

 

Beschreibung

Große Reibn(Berchtesgadener Alpen)

1 Etappe:

Vom Stahlhaus Richtung Süd-Südost durch den Latschengürtel hindurch, dann in einem leichten Rechtsbogen auf den Rücken und über diesen zum Gipfel des Schneibstein, wo abgefellt wird. Erste Abfahrt: Richtung Süd-Südwest über flache und breite Hänge in die Windscharte unterhalb des Windschartenkopfs (2211 m - anfellen) und über den nordostseitigen Gipfelhang empor. Das Gipfelkreuz erreicht man zuletzt von Osten her.

Nun geht es bei der nächsten Abfahrt über den benachbarten Buckel des Schlumkopf (2203 m) hinweg und weiter Richtung Süden auf eine plateauartige Hügellandschaft zu, wo bei ein paar kleinen Felsen abermals angefellt wird. Moderat ansteigend geht es weiter, östlich am unscheinbaren Hochseeleinkopf vorbei auf den markanten Kahlersberg (2350 m) zu, den man aber deutlich links umgeht.

Die Route verläuft Richtung Südosten bis kurz vor dem Kragenkopf nun ziemlich exakt auf der deutsch-österreichischen Grenze und dann in einem langen Linksbogen südwärts Richtung Wildalmriedl. Je nach Schneeverhältnissen kann es in Flachstücken effektiver sein, abzufellen und – teils schiebend – in dieser Passage zu fahren.

Spätestens beim Aufstieg zum Wildalmriedel sind aber wieder die Felle nötig. Man steigt nicht bis zum Gipfel auf, sondern in einen flachen Sattel westlich davon (Steinmann), wo die Abfahrt in den Eisgraben beginnt. Dazu zunächst nach West-Südwest (leicht rechts) an den Plateaurand und durch eine kleine Senke, nun auf einem breiten Band weiter nach Norden (Rechtsknick) abfahren, bis ein Steilhang nach Süden in den Eisgraben leitet.

Im unteren Teil dieses Steilstücks muss eine felsdurchsetzte Passage kurz abgeklettert werden; bei schlechten Verhältnissen bzw. Vereisung können hier Steigeisen nötig sein. Bei der weiteren Abfahrt quert man auf die linke (südliche) Seite des Eisgrabens und versucht, am Ende der Steilwände des Teufelshorns den Hang im lichten Wald möglichst hoch zu queren, um in eine Scharte südlich vom Lehlingkopf (markante Felswand) zu gelangen. Links an der Wand vorbei in teils abenteuerlicher Abfahrt zwischen kleinen Felsen hindurch bis auf etwa 1580 Meter Höhe.

Es folgt ein längerer Anstieg: rechts vorbei an der Schönfeldwand, durch ein breites Kar nach Südwesten zur Blauen Lache (1816 m), links daran vorbei und weiter südwärts hinauf zu einem Rücken – dem Beginn der Langen Gasse, die nach Westen Richtung Leiterkopf (2369 m, markanter Felsgipfel) führt.

Diesen lässt man rechts liegen, durchquert am rechten Rand die Steinige Grube und steigt an deren Ende über die steilen Südhänge (Vorsicht, je nach Tageserwärmung Lawinengefahr!) auf den Gipfel des Funtenseetauern (2579 m) - die letzten Meter zu Fuß (Skidepot). Vom Gipfel bzw. Skidepot ein kurzes Stück flach nach Westen.

Nun traumhafte Abfahrt über anhaltend etwa 35 Grad steile Westhänge bis zum Stuhlgraben und weiter durch diesen bis zum Funtensee, an dessen Nordwestseite das Kärlinger Haus liegt (insgesamt etwa 25 km Distanz und 2400 Höhenmeter ab dem Carl-von-Stahl-Haus, circa acht Stunden).

2 Etappe

Vom Kärlinger Haus westwärts durch die Senke hindurch und an deren Ende schräg links hinauf in den lichten Wald bis zum Hirschtörl (1876 m). Kurze, steile Abfahrt nach Westen, dann auf Fellen weiter westwärts über ein zunächst nur sanft ansteigendes Hochplateau auf den großen Hundstod zu. Deutlich rechts am Ingolstädter Haus vorbei bis zur Hundstodscharte südlich der mächtigen Felswände. Nach einer kurzen Querung nach Nordwesten zum Dießenbacheck steht eine schwierige Abfahrt an: Der 35 bis 40 Grad steile Westhang hinunter zum Hochwies-Talboden ist vormittags oft knüppelhart – stürzen sollte man hier nicht. Von der Hochwies zieht die Aufstiegsroute westwärts über nach Nordosten exponierte, sanft kupierte Hänge zur Gratschneide nördlich des Seehorns (2321 m), das Gipfelsammler noch mitnehmen können. In der Regel wird man dem Gratverlauf aber gleich nach Norden folgen zur österreichisch-deutschen Grenze westlich vom Großen Palfenhorn. Letztmals werden hier die Felle abgezogen – und wieder steht ein abfahrtstechnisch anspruchsvoller Abschnitt bevor. Die ersten Schwünge werden, direkt Richtung Norden, in ideal geneigte Hänge gezogen, bis sich diese verengen – leicht nach rechts abknickend erfolgt nun die Einfahrt in den Loferer Seilergraben. Hier sind stabile Lawinenverhältnisse unerlässlich! Der Loferer Seilergraben wird nach unten heraus immer steiler (leicht über 40 Grad) und enger, ehe er zum Wimbachgries hin ausläuft. Der weitere, lange Weg nordwärts das Wimbachtal hinaus bis zur Wimbachbrücke ist vorgegeben: Am besten möglichst oft in Schussfahrt in der Spur bleiben, um Schwung zu holen für Flachstücke. Je nach Schneelage wird man oft ab dem Wimbachschloss die Ski tragen müssen (vom Kärlinger Haus zur Wimbachbrücke etwa 21 Kilometer Distanz und 1200 Höhenmeter, ca. sechs Stunden).

Route:

Vom Parkplatz auf dem ausgeschilderten Weg, an einem Felsblock mit Marterl vorbei, in den lawinenbedrohten Kessel des Loferer Hochtales. Dabei hält man sich links und trifft nach ca. 10 Minuten bei einem Jägerstand auf das Hinweisschild zur Schmidt Zabierow Hütte. Hier links, in etwa auf dem kleinen Sommerweg, in den Wald. Der schmale Steig überwindet den Felssockel, der das Hochtal abschließt auf seiner linken Seite. Die Skiroute folgt diesem Steig durch den steilen Wald. Im Frühjahr geschieht dies meist zu Fuß; aber auch bei ausreichender Schneelage sollte man an den heiklen Passagen die Ski besser tragen. Man erklimmt einen ausgesetzten, schmalen Felsvorsprung (Vorsicht, hier bereits tödliche Abstürze!) und quert nun oberhalb der Abbrüche und unterhalb der Schwarzwand nach Westen bis man die deutlich ausgeprägte, rinnenartige Steilmulde vor sich hat. Über sie hinauf bis in eine Höhe von ca. 1650m. Hier gibt es eine günstige Stelle um nach rechts (Westen) zum sog. Oberen Trett hinauszuqueren. In dem etwas flacheren, gestuften und weitläufigen Muldengelände (Bild 5) gleich wieder Richtung Südwest empor. Auf knapp 2000m hat man dann den Gipfel und die Kleine Wehrgrube vor sich. (Siehe Bild 6) Hier beginnt die flache, jedoch lawinenbedrohte Querung der Reifhörner-Flanke. Am Ende hält man sich links und visiert den breiten Rücken in der Mitte, direkt unterm Skihörndl, an. Über diesen Rücken empor und unter den Felsen nach links hinaus in eine Scharte. Diese Querung geht noch einmal ganz kurz (nur ein paar Meter) über ziemlich steiles Gelände und an ein paar mehr oder weniger eingeschneiten Felsen vorbei. Aus der Scharte dann über den breiten Ostrücken in wenigen Minuten zum Gipfel mit großartiger Aussicht. 

Abfahrt:

Wie Anstieg. Oder man hält sich in der Wehrgrube rechts (im Abfahrtssinn), um so direkt in die Steilmulde einzufahren. 

Charakter / Schwierigkeit:

Charakter / Schwierigkeit: Diese großartige Umrundung von Königssee und Watzmann zählt mit ihren weitläufigen Dimensionen und rassigen Abfahrten zu den schönsten und zugleich anspruchsvollsten Skitouren der Ostalpen. Die Länge der Etappen (allein vom Carl-von-Stahl-Haus zum Kärlinger Haus am Funtensee sind es 28 Kilometer Strecke und 2400 Höhenmeter) darf man konditionell nicht unterschätzen, zumal es unterwegs keinerlei Möglichkeiten gibt, die Trinkflaschen aufzufüllen – vier Liter Flüssigkeit für unterwegs sind ratsam. Mehrere Abfahrtspassagen von etwa 40 Grad Steilheit erfordern absolut stabile Lawinenverhältnisse sowie entsprechendes skifahrerisches Können. Die Orientierung ist schon bei Schönwetter nicht immer einfach (GPS mit eingespeichertem Track ratsam), bei Nebel oder schlechten Sichtverhältnissen kann sie auf den teils riesigen Plateauflächen zum ernsthaften Problem werden. Sinnvoll und einigermaßen stressfrei erscheint es, am ersten Tag abends das Nachtquartier im Carl-von-Stahl-Haus aufzusuchen, am zweiten Tag bei zeitigem Aufbruch (in der Regel 6 Uhr/Stirnlampe erforderlich) die intensivste Etappe zum Kärlinger Haus am Funtensee (bekannt als „Deutschlands Kältepol“) anzupacken und am dritten Tag die Tour bis zum frühen Nachmittag zu beenden. Tempo-Fetischisten absolvieren dieses Pensum auch als Tagestour, laufen dabei aber Gefahr, am Nachmittag bei eventuell kritischen Schneeverhältnissen über 40 Grad steile Hänge wie den Loferer Seilergraben befahren zu müssen. Als Gipfel (mit Kreuz) werden in der Regel Schneibstein (2276 m), Windschartenkopf (2211 m) und Funtenseetauern (2579 m) erreicht.

Lawinengefahr:

Mittel auf weiten Teilen der Route, aber hoch in einigen Steilpassagen (Abfahrt Eisgraben, Aufstieg und Abfahrt Funtenseetauern, Abfahrt an der Hundstod-Westwand zur Hochwies und Abfahrt durch den Loferer Seilergraben – nur bei stabilen Verhältnissen!  

Exposition:

alle Richtungen

Aufstiegszeit:

insgesamt 12 – 16 Stunden (Aufstieg und Abfahrt)

Tourdaten:

3400 Höhenmeter im Aufstieg (mit Seilbahnbenutzung, sonst 4600 Hm), 4500 Höhenmeter in der Abfahrt; insgesamt 46 Kilometer Distanz (ab Bergstation Jennerbahn).

Höhenprofil


 


Andre' Sulk | Email: info@videcon.de | http://www.videcon.de